Neuseeland

2005 – Picton – Nelson – Abel Tasman Nationalpark – Pancake Rocks – Greymouth – Franz-Josef-Gletscher

06.01.2005 – Picton – Nelson

Ach ach, wenn es nur am Wetter gelegen hätte, dann wäre alles bestens gewesen, aber fangen wir ruhig von vorne an…

Als wir die Lobby erreichten, waren alle in großer Aufregung und sofort sprach uns einer an, ob wir das earthquake auch mitbekommen haben. Es brauchte einen Moment bis ich verstand was er mit earthquake meinte… man hat ja schließlich nicht jeden Tag mit Erdbeben zu tun. Ich war ein bisschen verdutzt und antwortete mit nein. Anscheinend hatte es in der Nacht ein Erdbeben der Stärke 5,… gegeben. Es war aber weiter nichts Schlimmes passiert. Erdbeben gehören in Neuseeland schon fast zum Alltag. Durch die dünne Erdkruste bebt es hier ständig. Aber für die „Touris“ ist das natürlich schon ein Ereignis!

Um 8.15 Uhr holte uns dann der Bus ab. Alles klappte wunderbar und wir erreichten die Fähre ohne Zwischenfälle. Die Fähre war ein riesiges „Ding“, wie man es von Kreuzfahrtschiffen kennt. Die dreistündige Überquerung der Cook Strait wird zu Recht als eine der schönsten Fährpassagen der Welt bezeichnet. Höhepunkte sind die Fahrt durch den Hafen von Wellington und die Fjorde der Marlborough Sounds. Ganze 92 km legt die Fähre zurück, bis sie in Picton anlegt. Es heißt, es verirren sich immer wieder Orcas in die Marlborough Sounds, aber wir haben leider keine gesehen!

Mittags waren wir endlich in Picton, wo der Bus schon auf uns wartete. Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass Nelson gleich um die Ecke liegt, aber weit gefehlt! Über 3 Stunden haben wir im Bus verbracht.

Endlich im YHA angekommen – wir freuten uns ja schon auf unser Doppelzimmer – wurde uns verkündet, dass für uns kein Doppelzimmer gebucht war, geschweige denn ein anderes Zimmer frei wäre. Uns fiel natürlich die Kinnlade herunter. Nach langem Diskutieren begann die Frau an der Rezeption für uns zu telefonieren und ein Zimmer zu suchen. Wie durch ein Wunder fand sie das Hostel, in dem für uns ein Doppelzimmer gebucht worden war, allerdings eine Nacht weniger, als wir eigentlich vorhatten zu bleiben. Also buchten wir für die letzte Nacht im YHA ein Zimmer.

Die Zimmerbuchungen wurden zumeist im Magic-Bus vorgenommen oder man reservierte sie selbst. Scheinbar war das YHA voll gewesen und ohne uns zu benachrichtigen hatte der Busfahrer ein anderes Hostel gebucht. Wie auch immer, eigentlich hatten wir noch Glück im Unglück, denn Nelson ist in der Sommerzeit immer ausgebucht!

Nun mussten wir mit unserem Gepäck eine halbe Stunde durch Nelson laufen, um zu unserem neuen Hostel zu kommen. Verständlicherweise haben wir an diesem Tag nicht mehr viel gemacht, außer etwas zu essen. Unser Hostel war sehr nett! Es hatte einen Pool (der aber leider von 18 jährigen Halbstarken belagert wurde) und unser Zimmer war ok, vor allem endlich mal ALLEINE!

Nelson… Angeblich ist Nelson der geographische Mittelpunkt von Neuseeland. Praktischerweise soll dieser Punkt auf einem Hügel im Zentrum der Stadt liegen. Dieser Mittelpunkt war allerdings nur der Mittelpunkt, um frühe Landvermessungen durchzuführen. Der wahre geographische Mittelpunkt liegt tatsächlich in dichtem Gestrüpp eines Waldes auf der Spooner Range in der Nähe von Tapa-wera, 35 Kilometer südwestlich von Nelson. Um die Region Nelson herum befinden sich die drei meistbesuchten Nationalparks Neuseelands (Abel-Tasman-Nationalpark, Kahurangi-Nationalpark und der Nelson-Lakes-Nationalpark), was vielleicht daran liegt, dass in dieser Provinz die jährliche Sonnenscheindauer mit durchschnittlich 2400 Stunden die längste im gesamten Land ist. Nelson ist das Urlaubsparadies der Neuseeländer. Warum das so ist, sollten wir die nächsten Tage feststellen…


07.01.2005 – Nelson – Abel Tasman Nationalpark

Um 7.00 Uhr klingelte der Wecker, denn heute ging es in den Abel Tasman Nationalpark! 4 bis 6 Stunden Fußmarsch… Ich hatte ein bisschen Angst, dass Mone es nicht schafft.

Der Bus kam ein wenig früher als angekündigt und wir hatten Glück, dass wir ihn nicht verpasst haben! Nun ging es 1 1/2 Stunden (70 km) durch die Landschaft, bis wir das Boot erreichten hatten, das uns zum Ausgangspunkt unserer Wanderung bringen sollte. In Kaiteriteri starteten wir, fuhren vorbei an den Split Apple Rock, diese Felsformationen sind 135 Millionen Jahre alt und bestehen aus Granit (siehe Foto). Die Strände haben ihre goldene Farbe ebenso dem Granit zu verdanken.

Kleine Exkursion: Der Nationalpark ist berühmt für seine zahlreichen kleinen Buchten mit Sandstränden und türkisfarbenem Wasser und seine Granitklippen. Über 70 Vogelarten können im Nationalpark gefunden werden. Neuseelands kleinster Nationalpark wurde 1942, 300 Jahre nach Abel Tasmans Landung, eingerichtet und nach dem Entdecker benannt. Unter den Besuchern des Parks ist besonders der 51 km lange Küsten-Wanderweg (Abel Tasman Coastal Track) beliebt. Wir wollten aber nicht die ganzen 51 km laufen, sondern nur einen Teil davon.

Es ging mit dem Boot vorbei an wunderschönen Klippen und Stränden. Ich weiß nicht mehr wie lange die Bootsfahrt dauerte, aber sie war sensationell. Der Ausstieg gestaltete sich recht „ungewöhnlich“. Plötzlich hieß es, wir sollten unsere Schuhe ausziehen und wir wurden in ein Schlauchboot verfrachtet. Dieses brachte uns ein Stück näher zum Strand und dann hieß es plötzlich „Aussteigen!“. Aber wir waren noch ein ganzes Stück vom Strand entfernt. Mone und ich zögerten noch, doch andere verließen das Schlauchboot und wir bemerkten, dass es nicht tief war, also folgten wir ihrem Beispiel und legten den Rest des Weges zum Strand zu Fuß zurück.

Dann ging der Marsch los, erst durch das Watt, dann durch die Berge. Es war wirklich wunderschön, so eine vielfältige Vegetation habe ich noch nie gesehen! Es ging vorbei an traumhaften Stränden und Wasserfällen. All das in Worte zu fassen ist nicht möglich. Mone und ich waren oft einfach sprachlos, holten unsere Kamera heraus und versuchten diese Eindrücke so festzuhalten.

Die Tour sollte zwischen 4 und 6 Stunden dauern und wir wussten, dass wir max. 6 Stunden Zeit hatten, um den Bus noch zu bekommen. Aus Angst – wir konnten die Länge der Strecke schwer einschätzen – erlaubten wir uns nur eine kurze Mittagspause und nach 4 Stunden erreichten wir dann schon den Endpunkt der Wanderung. Wir waren richtig kaputt, so wirklich richtig kaputt!! Mone hatte bis zum Ende tapfer durchgehalten!

Wir gönnten uns dann in einem Café noch einen Blueberry Shake und entspannten ein bisschen. Schließlich haben wir noch einen maorischen Künstler auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckt, der seine Kunstwerke ausstellte. Wunderschön!

Kaum saßen wir im Bus, fielen uns vor Erschöpfung auch schon die Augen zu! Der Abend war dann richtig gemütlich, bei einer Flasche Weißwein und Chips. Mone war gar nicht ins Bett zu kriegen…


08.01.2005 – Nelson – Abel Tasman Nationalpark

Eigentlich sollte um 6.00 Uhr der Wecker klingeln, da der Bus schon um 6. 35 Uhr am Hotel hielt… eigentlich… denn der Wecker klingelte gar nicht! Wir sind durch Zufall aufgewacht und hatten noch 15 Minuten Zeit uns fertig zu machen und unsere ganzen Sachen zu packen, weil wir ja in das YHA Hostel umziehen mussten. Aber wie immer haben wir auch diese Situation souverän gemeistert. Wir erreichten gerade noch so den Bus und es regnete natürlich in Strömen! Es ging nun wieder 1 1/2 Stunden mit dem Bus durch die Prärie zum Abel Tasman Nationalpark.

Heute stand für mich ein absolutes Abenteuer auf dem Programm: Kajak fahren! Ich habe großen Respekt vor tiefem Wasser und tat es Mone zuliebe (hätte ich vorher gewusst, dass es dort Hai gibt, nein, dann hätte ich das nicht getan)! Wir unternahmen diese Tour mit den „Abel Tasman Kayaks“, ein sehr gut ausgerüsteter Veranstalter, absolut zu empfehlen!

Dort angekommen wurden wir überrascht, denn wir wurden komplett ausgestattet mit Neoprenanzug, dickem Pulli, Schuhen, Mütze usw. Um diese Uhrzeit war es noch richtig kalt und es regnete immer noch. Wir bekamen noch eine kurze Einführung, in der es vor allem darum ging wie wir uns im Boot verhalten sollen, was wir tun, wenn wir umkippen (mich überkam leichte Panik bei dem Gedanken) und vor allem auch wie wir uns richtig mit Sonnenmilch eincremen (Kinn und Hände nicht vergessen!!) und dann ging es auch schon los.

Das Paddeln ging leichter als gedacht und schnell haben wir die beiden asiatischen Damen (ups in meinem Tagebuch steht „unfähigen Japsen“, aber das habe ich sicher nicht so gemeint) hinter uns gelassen. Adam, unser Guide, war ein ganz Knuffiger und was noch viel wichtiger war, er war wirklich nett und bemühte sich.

Wir sind von Marahau zum Fisherman Island gepaddelt, eine kleine Insel vor der Küste. Es sah kürzer aus, als es war, aber Mone und ich haben uns sehr tapfer geschlagen und waren – wie immer – ein Dream-Team! Die beiden Japanerinnen hatten leichte Schwierigkeiten, aber schließlich erreichten wir die Insel und haben dort in aller Ruhe gefrühstückt.

Nach dieser Pause ging es weiter, die Insel entlang und dann zurück zum Festland, wo es Lunch gab (frische Muscheln!!). Es blieb noch genug Zeit die nähere Umgebung zu erkunden und der Regen hatte mittlerweile nachgelassen und die Sonne kam heraus. Es wurde richtig sommerlich warm und es war in dieser einsamen Bucht ein TRAUM!

Dann ging es wieder die Küste entlang und Adam meinte, dass der Wind immer am Mittag drehte, so dass wir nun mit Rückenwind zurück paddeln. Dem war aber leider nicht so! Warum auch immer tat an diesem Nachmittag die Natur nicht das, was sie sonst immer tat. Nein, wir hatten Gegenwind und die Strömung war auch gegen uns! Wir paddelten und paddelten und kamen kaum vom Fleck. Ich glaube das kann nur jemand nachempfinden, der ebenfalls schon so etwas erlebt hat. Der absolute Horror, vor allem wenn man merkt, dass die Kräfte immer mehr nachlassen. Als wir nach Stunden (eigentlich braucht man zurück 4 Stunden, doch wir benötigten 5 1/2 Stunden) endlich das Ufer erreichten, war ich kurz vor dem Kollabieren. Ohne Adams Hilfe hätten wir es niemals geschafft! Er zog anfangs nur die Japanerinnen, die schon viel früher alle Viere von sich streckten und jammerten und später musste er uns auch helfen. Mone und ich hatten taube Arme, wir haben uns vollkommen verausgabt. Irgendwie schafften wir es noch zum Bus zurück, schwankend, erledigt, halb tot!

Mone hatte zudem auch noch vergessen ihre Hände einzucremen und hatte sich einen wirklich schlimmen Sonnenbrand zugezogen! Kaum war das blaue Auge verschwunden, die Wunden am Hinterteil abgeheilt, hatte sie nun eine neue Problemzone! Die Arme!

Der Tag war unheimlich anstrengend, aber ein weiteres unvergessliches Erlebnis in diesem Urlaub!

So und am nächsten Tag sollte es weiter gehen nach Greymouth und von dort ist es zum ersten Gletscher nicht mehr weit!


09.01.2005 – Pancake Rocks – Greymouth

Der Tag war absolut ereignislos! Es ging früh von Nelson weg (was uns sehr traurig machte) und wir standen sogar auf der Busliste (wow!!)! Wir fuhren von der Küste weg, ins Inland und es gab nur wenige Highlights. Eines davon waren die Pancake Rocks kurz vor Greymouth. Es sind 30 Millionen Jahre übereinander geschichtete Ablagerungen von Kalksedimenten und Tonmineralien. Doch damit nicht genug, es gab dort auch noch Robben und ich habe das erste Mal in meinem Leben freilebende Robben gesehen!

Abends um 17.30 Uhr kamen wir endlich an. Das Hostel war klein und beschaulich, sehr nett!

Wir wollten dann im Hostel noch ins Internet und haben 2 Dollar in die Maschine geworfen, doch nach 15 Minuten ging nichts mehr. Wir sind dann ins Internet-Café, aber dort war es auch nicht billiger, es funktionierte jedoch einwandfrei.


10.01.2005 – Franz-Josef-Gletscher

Unser nächstes Ziel war der Franz-Josef-Gletscher (da fühlt man sich fast zu Hause…). Uns bot sich eine atemberaubende Landschaft und die Berge türmten sich immer höher vor uns auf. Bei einem ganz normalen Fotostopp (den keiner von uns im Bus wollte, nur der Busfahrer…), wollte der Busfahrer auf dem Parkplatz drehen und fuhr sich fest. Es dauerte geschlagene 1 1/2 Stunden bis er mit Hilfe eines Trucks wieder frei kam.

In Franz Josef angelangt, buchten wir wieder mal eine 2 stündige Tour zu Ross. Als wir auf der Ranch ankamen, machten wir große Augen. Wir waren nur zu viert und die zwei Guides. Das haben wir ja schon anders kennengelernt… Anfangs ging es über Wege und dann durch einen Fluss und durch Wiesen wieder zurück. Oft sind wir im Trapp geritten und einmal im Galopp. Mone hielt sich tapfer!! Mein Pferd war großartig, schon nach kurzer Zeit verstanden wir uns blind, es reichte ein kurzer Druck in die Flanken.

Es war atemberaubend. So etwas Tolles habe ich noch nicht erlebt (wobei das an diesem Ort hier fast lächerlich klingt, wo man jeden Tag Unglaubliches sieht und erlebt).

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