Mein Blog

Corona und Reflexion

Wenn Menschen mich dieser Tage fragen was ich über Corona denke, antworte ich meistens „Was für ein Scheiß!“ oder „Ich bin echt genervt“. Da spreche ich wohl allen anderen aus der Seele, denen es ähnlich geht. Alle Pläne werden über den Haufen geworfen, Urlaube werden abgesagt oder verschoben, plötzlich ist nicht mehr klar was morgen ist, Ängste um die Eltern oder Großeltern steigen auf. Die Kinder sind plötzlich nicht mehr im Kindergarten oder der Schule, die Betreuung muss von Tag zu Tag neu geregelt werden. Man fühl sich alleingelassen und irgendwie gestrandet.

Erst war Corona noch weit weg, eine Geschichte, die wirklich schlimm ist, aber mich persönlich nicht betrifft. Und zack – auch das hat sich diese Woche geändert. Plötzlich bin ich mitten drin und alles wird noch schlimmer. Noch mehr Unsicherheiten. Ich kann nur noch von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde entscheiden wie es weitergeht.

Wir werden derzeit ganz schön auf die Probe gestellt!

Aber ich bin ein Mensch, der eigentlich immer positiv denkt und auch in dieser Situation suche ich nach Lichtblicken, denn es gibt ja vielleicht Dinge, die einfach über meinen persönlichen Horizont hinaus gehen.

Corona als Chance sehen?

War oder ist Corona genau das, was wir unbedingt gebraucht haben? Ist Corona unsere Chance beim Klimawandel? Irgendwie hoffe ich das, aber es kann wohl wirklich nur eine Chance sein, wenn es lang genug dauert und weitreichende Änderungen hervorruft. Für uns also eine Katastrophe, für die Umwelt, die Erde, das Klima ein Segen.

Bereits Anfang März sind die Emissionen Italiens schon soweit gesunken, dass man es auf den Aufnahmen des europäischen Sentinel-5-Satelliten sehen kann (Quelle ESA). Durch die Quarantäne gehen kaum noch Bürger vor die Tür und viel weniger fahren auf die Arbeit. Auch die Industrie ist auf ein Minimum heruntergefahren.

Oder in China sind die Emissionen im Februar um ungefähr 200 Megatonnen zurückgegangen (Quelle: Deutschlandfunk). Beim Vergleich des Monatsdurchschnitt von Februar 2020 mit dem Mittelwert der Februardurchschnitte von 2017-2019 zeigt sich deutlich, dass die Feinstaubwerte in weiten Teilen Chinas in Bodennähe über 20 bis 30 Prozent zurückgegangen sind (Quelle: Umweltdialog.de)

Ich finde es absolut erstaunlich, wie schnell sich die Welt regeneriert.

Doch gehen die Veränderungen weit über die Umwelt hinaus. Die Menschen verhalten sich plötzlich viel solidarischer, sie denken nicht nur an sich, sondern auch an die Nachbarn, die Menschen in ihrem Umfeld. Menschen suchen gemeinsam nach Lösungen.
Das Leben wird endlich wieder entschleunigt. Das Fitnessstudio hat geschlossen, die Bars und Restaurants ebenfalls. Man ist zu Hause und kann sich endlich wieder auf wichtige Dinge konzentrieren, wie die eigene Familie oder auch nur auf sich selbst. Wird es nun einen Corona-Baby-Boom geben? Ja, sogar das könnte passieren.

Man wird plötzlich gezwungen sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Leben zieht sich zusammen. Das kann für uns alle eine wirkliche Chance werden.

Gestern hat mir ein Freund über WhatsApp einen Text geschickt, der eigentlich genau meine Gedanken wiedergibt. Ich habe nach dem Verfasser gegoogelt und bin auf Frau Tanja Draxler gestoßen. Sie nennt sich selbst eine Impulsgeberin und genau das hat sie mit den Worten auch getan. Aber hier nun zum Text: 

ES KÖNNTE SEIN…..

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen, … es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückzuholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen, … es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Menschen singen miteinander!!! Das berührt mich zutiefst!

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt,… es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet, …es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, endlich selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet, … es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Es wurde Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert, … es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,

– der die Erde aufatmen lässt,
– die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
– unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
– die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
– der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert,
– und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regeneration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir nicht bereit waren es selbst zu tun. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder!!!

 

Natürlich war ich neugierig und habe mich ein bisschen auf ihrer Seite umgeschaut und sie hat genau den gleichen Weg durchgemacht wie ich mit dem Unterschied, dass sie gesundheitliche Probleme so weit gebracht haben. Auch sie ist ausgestiegen und geht nun ihren eigenen Weg. Das hat sie mir voraus, denn soweit bin ich noch nicht. Ich muss mich dieses Jahr erstmal durch die Coronakrise hangeln. Das sehe ich aber auch positiv, vielleicht zeigt mir die Coronakrise auch Möglichkeiten, die zuvor nicht da waren.

Corona-Fazit

So schlimm all das auch ist und wahrscheinlich noch wird, auch wenn wir Menschen verlieren, die wir lieben, sollten wir nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir sind was wir sind, weil wir uns extremen Bedingungen anpassen können, weil wir innovativ sind und immer Hoffnung im Herzen tragen. So sollte es auch dieses Mal sein. Auch wenn sich alles wieder normalisiert, sollten wir diese Zeit nicht vergessen und diesen Samen weiter in uns tragen. Wir müssen uns bewusst werden was wirklich wichtig ist, was wirklich zählt.

Im Übrigen halte ich es für sinnlos darüber zu spekulieren ob all die Aktionen der Regierungen übertrieben sind oder nicht. Ob es wirklich so ist, werden wir erst wissen, wenn es vorbei ist. Und wenn es wirklich schlimm wird und die Regierungen hätten nichts getan, wäre das Geschrei noch lauter. Ich denke aus ihrer Verantwortung heraus, müssen sie so handeln und die Zustände in China und Italien haben gezeigt, dass Corona eben doch keine Grippe ist. Und wer das noch nicht verstanden hat… naja ich weiß nicht, der hat sicherlich auch meinen Text nicht bis zum Ende gelesen! ?

In diesem Sinne bleibt mir nur eins zu sagen:

Bleib gesund!

Titelbild: KELLEPICS
Hände: Myriams-Fotos
Mann: EliasSch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.