Aussteigen,  Papierkram

Ein Wohnvan fährt in meinem Kopf Achterbahn

 

back to the roots

Gerade ist mir aufgefallen wie lange es her ist, dass ich über das Aussteigen geschrieben habe. Ja, es ist auf der Strecke geblieben durch all die Änderungen in meinem Leben. Dies betrifft allerdings nur den Blog.

Der Gedanke ist bei mir immer präsent und auch wenn es nach außen einen anderen Eindruck macht, beschäftige ich mich täglich mit Dingen rund ums Aussteigen. Sei es durch meine Facebook-Gruppen, durch Filme, Videos oder meine persönlichen Gedankenspiele.

Der Gedanke des Aussteigens ist präsent, aber es verändern sich andere Aspekte. Immer mehr drängt sich z.B. der Gedanke auf mit einem selbst ausgebauten oder bereits fertig ausgebauten T2 oder T3 zu reisen. Es war auch kurz der Gedanke da sich ein Tiny House zu kaufen und damit auf und davon zu fahren, z.B. nach Portugal oder Spanien und sich dort niederzulassen (was natürlich Blödsinn ist, niemand fährt mit einem Tiny-House so viele Kilometer).

Es gibt so viele Möglichkeiten wenn man sich auf das Thema einlässt und natürlich auch wenn man das nötige Kleingeld hat. Genau da hängt es im Moment noch. Ein Reisen mit Wohnvan (ich nenn es jetzt mal so) kostet einiges, da schnellen die monatlichen Kosten ruckzuck in den 600er Bereich und aufwärts. Zu zweit wäre eher noch rentabel als alleine.

Ein Wohnvan – Ich fand diese Wortkreation sehr passend, doch leider – so musste ich gerade feststellen- war ich nicht der erste Mensch, der so einen Gedanken hatte. Es gibt einen Wohnwagen Hersteller, der auch Wohnvans anbietet.

Ich hätte gerne – rein hypothetisch –  einen Kleinbus, einen Transporter oder einen größeren Van, der umgebaut wird.

Bei einem Wohnvan könnte ich sogar mein Fahrrad mitnehmen, ich könnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich kann unkomplizierter Strecke mit dem Auto machen und auch mal eine Autobahn benutzen und dann, wenn mir ein Ort gefällt, kann ich es intensiver mit dem Fahrrad erkunden.

Ach ja,…. wenn da nicht wieder die Sache mit dem Wohnsitz wäre. Wenn ich mich abmelde wird es mit dem Auto schwierig, außerdem muss ich regelmäßig zum TÜV, es sei denn ich verlasse Europa. Und dann brauche ich noch weltweit ein Carnet de Passage . Dieses Dokument benötige ich für den Zoll an der Grenze, es weist aus, dass ich das Auto nicht ausführe oder ähnliches. Ich muss in Deutschland eine Kaution in Höhe X hinterlegen und dieses bekomme ich erst wieder, wenn ich mit dem Fahrzeug wieder einreise. Natürlich kostet dieses Dokument wieder einiges und ist nur für 1 Jahr gültig. (Näheres siehe Carnet de Passage)

Eins steht fest: Je luxuriöser die Ausstattung, desto komplizierter wird alles. Und ich mag es doch unkompliziert und einfach. Europa will doch immer groß und offen sein, warum also machen sie es Europäern wieder so schwer. Warum kann ich  mein Auto nicht in Deutschland zulassen, versichern und den TÜV in Spanien machen? (siehe unten)

Und wie könnte ich einen Wohnvan bezüglich der Nachhaltigkeit rechtfertigen? Ich hätte keine Wohnung mehr und würde dadurch meinen CO² Ausstoß enorm verringern. Wahrscheinlich würde sich das gegenseitig aufheben und ich bräuchte kein schlechtes Gewissen haben. Fahrrad wäre natürlich besser, keine Frage.

Geht es eigentlich allen Aussteigern so wie mir, die länger planen? So viele Möglichkeiten, so viele Alternativen!

Aber nun mal zu den organisatorischen Dingen. Auf was muss man denn achten, wenn man mit einem KFZ unterwegs ist?


Carnet de Passage – Zolldokument

Man darf – wie man ja weiß – Autos nicht einfach so ausführen, weil darauf Zölle erhoben werden. Wie regelt man das allerdings bei z.B. Langzeiturlaubern und Co., die mit ihrem Auto/ Wohnwagen ins Ausland fahren.

Genau dafür gibt es das Carnet de Passage, ein Zolldokument, das im Heimatland beantragt wird und bei der Einreise mit dem Fahrzeug in ein anderes Land abgestempelt wird. Es wird im Heimatland eine Kaution hinterlegt (je nach Fahrzeug wird es berechnet, je älter das Fahrzeug desto geringer die Summe) und diese Kaution erhält man nur zurück, wenn man mit dem Fahrzeug wieder zurückkommt. Tut man das nicht, ist die Kaution weg! Es ist für 1 Jahr gültig und muss danach neu beantragt werden bzw. verlängert werden.

Aber nun mal eins nach dem anderen, fangen wir vorne an:

Man braucht das Carnet de Passage laut ADAC für jedes Land. Das ist so zwar nicht richtig, aber wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, dann sollte man es auf jeden Fall dabei haben. Hier mal eine Liste mit Ländern, die es auf jeden Fall verlangen (ohne Gewähr): Brunei, Indien, Indonesien, Iran, Japan, Malaysia, Kuwait, Katar, Nepal, Oman, Pakistan, Singapur, Sri Lanka, Thailand, Vereinigte Arabische Emirate, Australien & Neuseeland, Ägypten, Botswana, Burundi, Kenia, Lesotho, Libyen, Malawi, Namibia, Südafrika, Senegal, Sudan, Swasiland, Tansania, Uganda, Kolumbien, Peru, Ecuador, Venezuela.

Das Carnet de Passage wird beim Automobilclub beantragt (in Deutschland beim ADAC und in Österreich beim ÖAMTC). Du benötigst für den Antrag folgende Unterlagen: Kopie vom Fahrzeugschein, Reisepass, Einzahlungsbeleg über die Kaution und die Gebühren für die Erstellung. Und falls man noch ADAC Mitglied ist die Kopie der Mitgliedskarte (dann bekommt man es günstiger, siehe weiter unten bei den Preisen). Der Antrag und auch die Verlängerung muss immer im Original eingereicht werden, es reicht also nicht z.B. alles einzuscannen.

Hat man die Unterlagen alle eingereicht dauert es ca. 4 – 6 Wochen.

Beim Erstantrag muss man mit 330 € als Nicht-ADAC-Mitglied rechnen und als Mitglied mit 230 €. Bei einer Verlängerung muss man die kompletten Antragsgebühren wieder bezahlen! Es rechnet sich also eine Mitgliedschaft abzuschließen, weil diese nur ca. 50 € im Jahr kostet! Ach und die Versandkosten sind in den Antragsgebühren enthalten. Nur wenn man den DHL-Kurierdienst in Anspruch nimmt kostet das zusätzlich 70 €. (Stand Januar 2019)

In den Anträgen findet man auch die Kautionshöhe, die sich nach dem Fahrzeugwert richtet. Weitergehende Informationen stellt der ADAC auf seiner Internetseite zur Verfügung.

Beantragst du die Verlängerung im Ausland musst du kreativ werden. So kannst du z.B. den Antrag bereits vor der Abreise fertig machen, mit Unterschrift, und lässt dann alles von einem Freund wegschicken oder du nimmst die Unterlagen mit und machst es von unterwegs. Ebenso benötigst du eine Adresse, wohin das Carnet de Passage geschickt werden kann. Der ADAC versendet nur nach Deutschland, du musst also eine Postadresse hier haben, z.B. deine Eltern, Freunde und diese müssen es dann an dich weiterleitet.

Wenn du nun ausreist musst du das alte Carnet de Passage ausstempeln lassen und im nächsten Land, in das du einreist, wieder mit dem neuen Carnet de Passage einstempeln lassen.

Aber damit nicht genug, muss man sich auch noch um den TÜV kümmern…


Der TÜV im Ausland

Leider ist nicht so, dass man im Ausland einfach die nächste Werkstatt anfährt und TÜV machen lässt. Die EU hat sich zwar darauf geeinigt, dass die Untersuchungen in allen Mitgliedsländern anerkannt werden, allerdings kann das Fahrzeug nur dort den TÜV machen, in dem es auch zugelassen ist.  Befindet man sich also im Ausland und der TÜV läuft ab, muss man nach Deutschland zurück und dort den neuen TÜV machen.

Was passiert wenn man das nicht tut? Zum einen verliert man natürlich den Versicherungsschutz, denn Versicherung zahlt nur dann, wenn das Auto auch verkehrssicher ist und man muss ein Bußgeld bezahlen (wenn man erwischt wird). Sobald man dann deutschen Boden betritt, muss man sich umgehen um den TÜV kümmern, dann könnte man ein Bußgeld vielleicht noch umgehen (wenn man beweisen kann, dass es einem vorher nicht möglich war den TÜV nachzuholen).
Außerhalb der EU ist es vielleicht weniger ein Problem, weil man sich ja sowieso separat dort versichern muss, wenn man das KFZ dort auch zulässt. Und es ist noch wichtig zu wissen, dass man eine Vollabnahme des Fahrzeugs machen muss, wenn man nach Deutschland zurückkehrt und der TÜV länger als 7 Jahre abgelaufen ist. 


 

In Österreich habe ich beim letzten Urlaub jemanden um die Ecke ausfindig gemacht, der alte VW-Busse restauriert. Ich glaube den besuche ich beim nächsten Mal… Fragen kostet ja nix!

 

Titelbild: peagreenbean
Roter T2: bernswaelz
Camping-Bus: memorycatcher

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