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Hygiene

Hygiene

Es ist total interessant was für Themen plötzlich aufkommen, wenn man sich eingehender mit etwas beschäftigt. Vorher habe ich nie darüber nachgedacht, wie das – gerade beim Wildcampen – mit der Hygiene wird. Aber klar, wenn man tiefer in die Materie eintaucht, ist es absolut logisch. Ich kann schlecht mit meinem normalen Duschgel duschen! Warum? Nun, das möchte ich gerne erklären!


Sensibilisierung

Die Natur ist mir unheimlich wichtig. Ich werfe niemals etwas draußen weg. Beschädige nie etwas mutwillig. Verhalte mich ruhig, wenn ich im Wald bin und noch vieles mehr. Und natürlich möchte ich auch, wenn ich wild campe, so wenig Schaden wie möglich anrichten. Ich möchte mit der Natur leben, nicht gegen sie.

Um das zu erreichen, muss ich aber einiges beachten. Hier geht es um Dinge wie: Die tägliche Hygiene, Toilettenbesuche, Abspülen. Ich habe keinen Wasserhahn, den ich mal eben aufdrehe und keinen Abfluss, wo das belastete Wasser hineinfließt. Und nein, nur weil ich kein Badezimmer mehr habe, bedeutet das nicht, dass meine Körperpflege leiden muss. 😉

Vorab ein kleines Brainstorming, worüber ich mir Gedanken machen muss:

  1. Körperpflege
  2. Seifen & Co.
  3. Zahnpflege
  4. Kleidung
  5. Geschirr
  6. Toilettenbesuch
  7. Allgemeine Hygiene

Körperpflege

Vorab einmal generelles zu unserem Körper. Jeder von uns kennt das, es gibt Problemzonen und solche, die nicht so viel Pflege bedürfen. Also kann man sagen, dass bestimmte Körperregionen auch mal auf eine Wäsche verzichten können, z.B. Beine, Arme, Bauch und Rücken.
Sensible Bereiche sind: Achselhöhlen, Genital- und Analbereich, Bauchnabel und eventuell hinter den Ohren. Also sensibel sind alle Bereich in denen sich vermehrt Schmutz ablagern kann.

Entscheidend für den Umfang der Körperpflege wird sein wie viel Wasser zur Verfügung steht und wie ich dieses nutzen kann. Und natürlich auch, ob das Wasser sauber ist. Wenn sich seltsam aussehende Schaumkronen auf dem Wasser bilden, würde ich dort lieber nicht baden gehen…
In meinen Gedanken sind das sehr schöne Bilder, es ist Sommer, sehr warm, ein klarer Fluss und ich bade darin… So könnte es sein. Es könnte ein Bach, ein Fluss, ein See, eine Quelle, ein Wasserfall sein. Hier sollte eine ausgiebige Körperpflege überhaupt gar kein Problem darstellen. Nur ein kleiner Tipp, je nachdem in welchem Land man unterwegs ist, kontrolliert nach dem Baden euren Körper. Es gibt – vor allem bei stehenden – Gewässern Blutegel, die sich auf die Haut setzen. Das ist nicht schlimm, aber man sollte sie schon entfernen… 😉 Und in z.B. Asien gibt es auch sehr unschöne Parasiten im Wasser. Da sollte man wirklich nur ins Wasser gehen, wenn das Wasser klar und/ oder fließend ist!

Ist abzusehen, dass der Rastplatz kein Wasser bieten wird, dann werde ich unterwegs schauen, ob ich an Wasser komme. An anderer Stelle  habe ich bereits erwähnt, dass ich wohl einen Wassersack mitnehmen werde. Diesen kann ich unterwegs füllen und dann habe ich auch Wasser, zumindest ein bisschen. Diesen Wassersack von Ortlieb kann ich mit einer Düse zu einer Dusche umfunktionieren und komme auch so zu meiner Körperpflege. Der Wassersack wird hierfür an einen Baum gehängt.

Aber es kann natürlich auch zum Worst Case kommen und ich habe überhaupt kein Wasser. Da habe ich gehört, dass man sich auch mit Rauch reinigen kann. Dieser soll desinfizierend sein und die Mücken verscheuchen. Ein Feuer wiederum darf man aber nur dann entfachen, wenn man in keiner trockenen Gegend ist (Brandgefahr). Natürlich kann es auch helfen ein Tuch feucht/ nass zu machen und sich damit zu reinigen. Ein bisschen Trinkwasser sollte man ja immer dabei haben.

Körperpflege sollte also immer möglich sein, nur der Umfang kann schwanken, je nach Wassermenge.


Seifen & Co.

Das ist ein ziemlich spannendes Thema, mit dem ich mich früher nie auseinander gesetzt habe. Man geht in den Supermarkt, wählt das Duschgel, das einen am meisten anspricht und benutzt es. Aber in letzter Zeit bin ich da schon etwas mehr sensibilisiert. Es fing mit dem Mikroplastik an. Ich meine mal ehrlich, wer rechnet damit, dass Mikroplastik in Duschgels ist?? Da war ich ziemlich schockiert, vor allem weil auch mein Lieblingsduschgel Mikroplastik hatte. Das benutze ich nun nicht mehr. Momentan bin ich am Überlegen komplett umzusteigen, auch schon vor dem Camping.

Aber selbst wenn ein Duschgel kein Mikroplastik als Inhaltsstoff hätte, wäre es für das Wildcampen nicht geeignet. Es sind viel zu viele Inhaltsstoffe enthalten, die die Natur nicht abbauen kann und die für Insekten vielleicht sogar tödlich sind. Hier geht es um Duschgel, Shampoos, Lotionen, Spülmittel, Zahncreme, Waschpulver, Weichspüler usw. Die Liste könnte man fortführen. Ich sag es kurz: Den ganzen S…., den ihr in der Drogerie kaufen könnt!
(Hier kann man auch ganz kurz mal überlegen was man selbst seinem Körper damit antut…)

Also kommen nur Naturseiten bzw. vollständig abbaubare Seifen in Frage und das für alles: Duschen, Haare waschen, Abspülen, Wäsche usw. Solche Seifen bestehen dann aus Natron und hochwertigen Ölen. Ich habe da z.B. eine Seife 200g gefunden von Aleppo, die ist zu 100% natürlich aus Natron und Olivenöl. Die Kosten belaufen sich auf 6 Euro. So etwas ist perfekt und hält sehr lange.

Man kann Seifen auch selbst herstellen, das ist total spannend und zwar aus Efeu- oder Rosskastanienblättern oder weißer Asche, aber dazu eventuell mehr in einem extra Beitrag, das würde jetzt den Rahmen sprengen.

Wichtig ist vielleicht noch generell festzuhalten, dass man Seife – ganz egal welche – immer nur im Boden versickern lassen sollte und niemals direkt im Bach oder See gebraucht, weil der direkte Kontakt für die Fische nicht gesund wäre.


Zahnpflege

Oben habe ich es schon erwähnt, auch normale Zahncreme sollte man nicht in die Natur spucken, denn diese enthalten Fluor und nicht selten Mikroplastik! Aber auch hier gibt es einige Alternativen. Mein Sohn benutzt z.B. schon seit längerer Zeit Schlämmkreide. Das funktioniert wunderbar. Man taucht die Zahnbürste hinein und nimmt dabei nur sehr wenig Schlämmkreide auf. Zu viel könnte den Zähnen schaden (ist wie Scheuerpulver). 500g davon kosten ca. 5 – 10 Euro, damit kommt man ewig aus.

Es gibt noch andere Alternativen:

Reinigendes Zahnsalz: Meersalz in einem Mörser fein stampfen und mit Minze-, Salbei- oder Thymianblättern mischen.
Xylit: Einfach pur benutzen, es handelt sich hierbei um einen natürlichen Süßstoff, hat angeblich auch stärkende u. aufbauende Wirkung für die Zähne.
Weiße Asche: Aus einem Lagerfeuer die Asche benutzen, wie bei der Schlämmkreide.


Kleidung

Eventuell muss ich auch mal meine Kleidung in der Natur waschen, wobei ich eigentlich schon versuchen werde eine Waschmaschine zu finden. Aber es kann ja gut sein, dass z.B. auch das letzte saubere T-Shirt gewaschen werden muss. Und von daher müsste ich mir auch darüber Gedanken machen.

Wie in meinem Beitrag Outdoorküche bereits erwähnt, werde ich vielleicht eine Faltschüssel mitnehmen, in der ich dann auch bequem die Wäsche waschen könnte. Auch hier gilt: Seife nur im Boden versickern lassen, niemals direkt im Wasser benutzen! Hier ist dann Handarbeit gefragt. Kennt ja von daheim auch, wo man ab und zu mal zur Handwäsche greifen muss.

Dann gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, für z.B. Menschen, die den Nervenkitzel mögen 😉 und zwar kann man den Fluss die Arbeit machen lassen. Man befestigt die Wäsche SEHR gut z.B. an einer Schnur, einem Ast oder mit einem Stein und hängt sie ins Wasser. Durch die Fließgeschwindigkeit des Wassers wird die Wäsche nun (über Nacht) gereinigt. Also mir wäre das ehrlich gesagt zu riskant! Grobe Verschmutzungen wird man so auch nicht los, also werde ich wohl eher auf die gute, alte Handwäsche zurückgreifen.


Geschirr

Sollte ich die Faltschüssel mitnehmen und es ist Wasser vorhanden, dann wird Geschirrspülen kein Problem sein. Ich werde hier aber zur Not auch zur Naturseife greifen müssen, denn Spülmittel geht nicht. Es gibt hier sogar Naturspülmittel, falls man das extra mitschleppen will. Werde ich wohl nicht tun, weil ich sonst bald einen Anhänger mitnehmen muss.

Sollte kein Wasser zur Verfügung stehen, könnte man auch auf die Natur zurückgreifen mit z.B. Gras, Blätter, Tannenreisig (für starke Verschmutzungen). Damit kann man auch Teller oder Töpfe auswischen, Moos für die Endreinigung. Aber Achtung, nehmt nur Naturmaterialien, von denen ihr ganz sicher wisst, dass sie nicht giftig sind!


Toilettenbesuch

Nun kommen wir zu einem hochsensiblen Thema, dem Toilettenbesuch! Ich habe da früher schon einiges mitgemacht, als ich in Indien war. Wir waren damals auch einige Tage in der Wüste und haben nur auf einfachen Matten geschlafen. Total romantisch, vor allem wenn plötzlich etwas über einen krabbelt…. 😉 Ich hatte nicht das Vergnügen, aber mein Reisegefährte, der dann schreiend aufsprang und herumhüpfte. Ja, aber zurück zu den Toilettenbesuchen. Also damals habe ich in der Wüste einige wirklich sehr witzige Dinge bei Toilettenbesuchen erlebt. In einer Wüste ist es recht Menschenleer, deshalb ist es fast ausgeschlossen dass man dabei auf Menschen trifft, aber es gibt da noch andere Lebewesen wie riesige Käfer (Pillendreher oder zu Deutsch: Mistkäfer) oder Stiere…. Pillendreher riechen den Toilettengang schon fast bevor man ihn antritt, spätestens wenn man ein tiefes lautes Brummen hört, weiß man, gleich ist er da…  Und das mit dem Stier ist eine längere Geschichte.

Also worauf ich hinaus möchte, zuhause ist der Toilettengang Routine, Tür auf, Tür zu… In der Natur ist das Ganze ein Abenteuer, bzw. kann es werden. Was ich an dieser Stelle sofort loswerden muss: Ich hab da die Tage etwas gesehen. Männer sind ja im Allgemeinen sehr begünstigt was das „kleine“ Geschäft betrifft. Sie benötigen maximal einen Baum, wobei die meisten auch darauf verzichten. Und jetzt gibt es für Frauen so einen  – ähm – Aufsatz. Also den kann man sich davorhalten (sieht aus wie ein Trichter) und kann auch (!!!) im Stehen pinkeln. Genial oder! 😉 Für 20,00 €.

Zurück zum Thema. Ist man nur einen Tag am gleichen Ort, dann wird es hier keine großen Probleme geben. Man sucht sich einen Ort, weit genug vom Zelt weg. Bleibt man allerdings mehrere Tage, dann sollte man sich schon einen Ort suchen, auf den man dann immer wieder zurückgreift. Wenn man mit mehreren Leuten zusammen ist, sollte man eine Zone einrichten und auf Rücksicht auf die anderen sein Häufchen vergraben. Es dauert in der Regel ca. 1 Woche bis so ein Häufchen zersetzt wird, eventuell auch länger, je nach Boden.

Tja und dann gibt es da noch die Sache mit dem Toilettenpapier. Wieder – je nach Boden – kann es dauern bis sich Papier zersetzt. Es gibt dann wohl Leute, die das Toilettenpapier abbrennen, aber hiervon ist natürlich auch abzuraten, wenn man im Wald ist.  Und ob ich nun auf den Reisen auch noch Toilettenpapier mitschleppen möchte, sei dahin gestellt, ich denke eher nicht. Man kann auch auf die Natur zurückgreifen wie Blätter, Gräser, Moos. Wobei mir das eigentlich nicht hygienisch genug ist.
Vielleicht werde ich es wie die Inder machen. Die spazieren jeden Morgen mit ihrer Wasserflasche zum Örtchen (was meist in der Nähe von Zuggleisen ist… besonders lustig, wenn man morgens Zug fährt…). Sie säubern sich dann mit Wasser. Vielleicht mit Blättern die beste Alternative.


Allgemeine Hygiene

Nun habe ich schon sehr viel abgehandelt, bleibt nur noch allgemein etwas über die Hygiene zu sagen. Zieht man tagtäglich wieder an neue Plätze, fallen viele Vorsichtsmaßnahmen weg. Aber wenn man doch mal an einem Plätz länger bleibt (wg. z.B. Krankheit), dann gibt es noch einige Dinge zu beachten.

An dem Platz, an dem man sein Essen zu sich nimmt, wird es immer Krümel vom Brot geben oder andere Essensreste. Diese können z.B. Mäuse anlocken oder anderes Getier, auf dessen Besuch man verzichten kann. Man darf auch nicht vergessen, dass Mäuse die Angewohnheit haben sich durch alles durchzunagen… Taschen, Zelte… zudem hinterlassen sie auch Kot, der Überträge einiger Krankheiten ist.
Um zu vermeiden, dass das passiert kann man z.B. seinen Essensplatz mit Fichten- oder Tannenreisig auslegen. Die ätherischen Öle in den Nadeln wirken desinfizierend und reinigend. Essensreste sollten immer eingegraben werden, am besten nicht in Zeltnähe, sondern ein bisschen weiter weg. Und wenn man in Gebieten unterwegs ist, wo es Bären oder Wölfe gibt, sollte man dieser Vorsichtsmaßnahmen noch mal genauer einhalten. Vor allem niemals im Zelt essen.

 

Titelbild stammt von Silviarita. Das Copyright liegt bei dem Fotografen.

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