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Minimalismus

Was bedeutet eigentlich Minimalismus?

Wikipedia:
Einfaches Leben (englisch simple living), auch freiwillige Einfachheit (engl. Voluntary simplicity), Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen. Gelegentlich wurde der Lebensstil mit dem Akronym LOVOS abgekürzt (englisch Lifestyle of Voluntary Simplicity); manche einfach Lebende gelten als Aussteiger.

Sowohl der Text, als auch das Bild sagt eigentlich schon sehr viel über Minimalismus aus und zeigt sehr deutlich, dass es sich über alle Lebensbereiche erstreckt. Es gibt auch hier eine regelrechte Trendbewegung in den öffentlichen Medien wie z.B. Facebook. Es ist „IN“ minimalistisch zu tun. Ich verwende hier bewusst das Wort zu tun als ob, weil die meisten auf dieses Pferd aufspringen ohne das Wort Minimalismus wirklich mit Leben zu füllen. Sie zwingen sich z.B. den Kleiderschrank auszumisten, setzen sich ein Ziel am Ende nur noch 5 Hosen, 5 Shirts usw. zu behalten und sie tun dies nicht aus Überzeugung, sondern um es dann in der Gruppe zu posten und zu zeigen wie „stark“ sie sind.

Minimalismus sollte viel mehr sein, als der Zwang sich zu beschränken, ich sehe ihn als Lebenseinstellung. Und das Erstaunliche, es tut auch gar nicht mehr weh, wenn man es aus Überzeugung tut. 😉


Wie kam ich zum Minimalismus?

Ganz einfach durch den Gedanken, dass wenn ich aussteige mit Fahrrad, ich meinen Besitztum auf ein maximales Maß reduzieren und mit sehr wenig Platz zurechtkommen muss. Mir wurde plötzlich klar wie viel Zeug ich in all den Jahren gesammelt habe. Das kennen wohl die meisten von uns. Man zieht von zu Hause aus und ist ratlos was man alles in die Schränke tun könnte, weil noch nichts da ist. Die Jahre ziehen ins Land, die Schränke werden voller und spätestens wenn man das erste Mal umzieht, wird einem bewusst wie viel Zeug man hat. Ich habe es bei einem Umzug geschafft 40 Umzugskartons zu füllen…

Also ging ich her und öffnete mal die Schränke. Alles Dinge, die ich „brauche“, dachte ich erst. Wenn man allerdings beginn zu überlegen wann man dies und jenes das letzte Mal in der Hand hatte, ändert sich die Sichtweise. Braucht man etwas wirklich, dass man seit über einem Jahr nicht mehr benutzt hat? Genau das gleiche Prinzip im Kleiderschrank. Brauche ich eine Hose, die ich erst 2x getragen habe und seit 4 Jahren im Schrank habe?
Die Antwort erübrigt sich. Nice to have, aber mehr auch nicht. Also weg damit, bzw. in die Altkleidersammlung, denn vielleicht kann ein anderer die Hose besser nutzen!
So habe ich bereits begonnen nach und nach auszumisten. Ich bin aber noch lange nicht am Ende dieser Aktion, ich beeile mich aber auch nicht, denn das hat Zeit. Und natürlich werfe ich nicht alles weg, sondern ich bin darum bemüht sie weiter zu verkaufen oder zu verschenken.

Das ist übrigens ein sehr schöner Nebeneffekt, dass man Dinge verschenkt, die andere gerne annehmen und sich freuen.


Die Lebensdienlichkeit und der Minimalismus

Minimalismus geht aber auch weit über den Inhalt der Wohnung hinaus. Mittlerweile kaufe mich mir „Dinge“  wie Lebensmittel nur noch nach dem Prinzip der Lebensdienlichkeit. Wie sehr bereichert dieses „Ding“ mein Leben? Kann ich dieses „Ding“ auch vielfältig verwenden oder dient es mir nur für einen Bereich. Sollte es mir nur für einen Bereich dienen, dann muss es schon sehr wichtig sein, damit ich es mir kaufe. Mein nächster Beitrag wird von solchen „Dingen“ handeln, die ich mir gekauft habe und die ich für diverse Lebensbereiche nutze. Somit reduziert sich mein Besitztum schon automatisch. Wo ich vorher viele „Dinge“ hatte, brauche ich nun nur noch eins.

Das typische Shopping ist für mich gestorben, auch nicht zur Befriedigung einer Frustphase (die ich eigentlich so gar nicht mehr habe). Shopping wurde bei mir eher zur Recherche, ob man etwas besser machen kann. So habe ich bei meinem letzten Einkauf bemerkt, dass ich gar keine Schokolade mehr ohne schlechtes Gewissen kaufen kann, weil es sie entweder in Plastik oder Metallfolie gibt. Beides keine Option für mich, also habe ich im Internet gesucht wie man Schokolade selbst herstellen kann und bin dabei auf die Kakaobutter gestoßen, die mir mittlerweile nicht nur für die Schokolade, sondern auch in anderen Bereichen dienlich ist (Bodycreme). Also ein voller Gewinn.
Und wenn etwas kaputt geht, überlege ich ob es nicht auch eine andere Möglichkeit gibt den Verlust zu kompensieren. Wichtig ist hierbei auch nicht dem Drang nachzugeben etwas sofort zu bestellen oder zu kaufen. Man sollte sich immer eine Wochenfrist setzen, die Zeit zum Überlegen gibt. Manche nehmen sich sogar 4 Wochen Zeit. Auf diese Weise kann ich meinen Konsum extrem einschränken.

Seitdem ich so minimalistisch lebe und fast alles selbst herstelle, was man selbst herstellen kann, habe ich meine Ausgaben extrem reduziert. Ich habe sie noch nicht exakt ausgerechnet, denn dafür würde ich gern noch 6 Monate warten, aber geschätzt sind es über 50% Ersparnis. Früher musste ich einmal die Woche einkaufen, jetzt ist es nur noch alle 10-14 Tage. Ich bin nicht mehr auf den Supermarkt angewiesen, nur beim Gemüse kaufe ich zwischendrin mal etwas Frisches ein.


Was fängt man nun mit dem ganzen Geld an?

Diese Frage stand einmal in der Facebook-Gruppe Minimalismus. Die junge Dame gab so wenig für ihr Leben aus und hatte so viel Geld über, dass sie ratlos war wohin mit dem ganzen Geld.

Solche Probleme wünscht sich manch einer, oder? 😉

Aber mal im Ernst, es ist tatsächlich so, dass man unheimlich viel Geld über hat, wenn man sein Leben minimalistisch gestaltet. Hier haben die Menschen unterschiedliche Träume und Ziele. So gibt es z.B. die Frugalisten. Ein Frugalist lebt viele Jahre sehr minimalistisch, um dann sehr früh nicht mehr zu arbeiten, die meisten streben hier das 40. Lebensjahr an. Sie werden Experten in Anlagetechniken und Co. Sie machen also eine wirkliche Wissenschaft daraus wenig Geld auszugeben und das übrige Geld optimal anzulegen. Darüber kann man sogar Seminare besuchen. Ein Video von Galileo zu diesem Thema findest du hier!

Oder es gibt Leute wie mich, die entscheiden ihr Leben ab einem gewissen Zeitpunkt zu ändern. Manche steigen aus, gehen ins Ausland. Sie kaufen sich ein Stückchen Land und steigen auf Selbstversorger um. Sie kaufen ein Wohnmobil und fahren ins Blaue. Oder, oder, hier gibt es wirklich sehr viele Möglichkeiten.

Und dann gibt es Menschen, die ihre Arbeitszeit so weit reduzieren, dass sie sehr gut von dem Geld leben können. Sie nutzen ihre freie Zeit für Dinge, die ihnen Spaß machen.

Man kann sein Geld allerdings auch spenden, das wäre die wohl sozialste Möglichkeit. Die anderen Möglichkeiten schließen aber auch die Spende nicht aus.


Lebenseinstellung, Glück, Freiheit

Das war die finanzielle Seite, aber der Minimalismus bezieht sich auch auf andere Bereiche wie meine Einstellung, mein Denken, also mein inneres Erleben. Das Schönste am Minimalismus ist die Befreiung von Zwängen. Normal braucht man Geld, um sich alles leisten zu können und verdient man mehr Geld, dann bleibt meist nichts davon übrig, weil man den Lebensstil anpasst.

Und genau hier liegt das Glück am Minimalismus. Man merkt, dass man so viele Dinge überhaupt nicht braucht. Ja, das es einem sogar besser geht, wenn man es nicht hat. Besitz zu haben bedeutet auch immer weitere Folgekosten und auch die Sorge diesen Besitz, dieses Haben, zu verlieren. Nehmen wir das simple Beispiel eines Autos. Die Kosten sind in der Anschaffung sehr hoch, so dass viele einen Kredit aufnehmen müssen oder zumindest einige Zeit dafür sparen. Dann besitzt man das Auto endlich und es kommen weitere Kosten in der Unterhaltung wie z.B. Benzin, Reifen, Versicherung, Steuern oder Inspektion. Und hat man erstmal ein Auto, dann kann man es einfach nicht mehr wegdenken. Und gerade das Auto ist das goldene Ei des Europäers, je größer und dicker, desto höher das Ansehen in der Gesellschaft (so denken die meisten). Achtet doch mal darauf, wer heutzutage noch ein kleines Auto fährt. Und nichts, wirklich nichts anderes hat einen so hohen Wertverlust wie ein Auto in den ersten Jahren. Es ist die schlechteste Anlage überhaupt (fragt mal einen Frugalisten… 😉 ).

Da muss man sich doch fragen ob man blöd ist, oder? 🙂
Nein man ist natürlich nicht blöd, man lebt nur einfach in der Gegenwart und das Auto gehört eben irgendwie dazu. Es ist nicht mehr wegzudenken, weil auch alles globaler und größer wird.

Ich sage dazu jetzt auch nicht mehr, denn ich bin weder Missionar, noch ein glänzendes Vorbild, denn auch ich bin Besitzerin eines Autos. Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass sich mein Auto fast selbst trägt, es kostet mich im Monat 80 Euro (mit allem, Inspektion schon eingerechnet). Dafür bekomme ich keine Monatskarte im Nahverkehr. Aber natürlich kann es auch mal kaputt gehen und dann ändert sich die Rechnung. Sobald es die Umstände erlauben, überlege ich ernsthaft auf das Fahrrad umzusteigen.

Minimalismus gibt auch Freiheit, denn ich habe Luft zum Atmen. Es ist Raum da um mich zu bewegen, sowohl geistig als auch in der realen Welt. Nehmen wir mal an mein Besitz würde in 2 Koffer passen, dann könnte ich von heute auf morgen umziehen, ja ich bräuchte vielleicht gar keine Wohnung oder kein Haus mehr. Und warum Deutschland? Ich könnte doch einfach im Winter nach Spanien gehen und dort arbeiten. Oder Italien ist auch schön….


Nachteile

Minimalismus ist ganz sicher nicht für jeden geeignet und man braucht auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man kein Minimalist ist. 😉 Aber für den einen oder anderen kann es mehr werden als nur ein Wort, es kann sehr erfüllend sein, wie z.B. für mich.

Natürlich hat auch der Minimalismus seine Nachteile. Mein Sohn fragte mich vor kurzem, woher ich nur die Zeit für alles nehme und hierbei meinte er mein DIY-Abenteuer mit der Recherche. Es kostet auf jeden Fall Zeit, vielleicht nicht so viel Zeit wie mancher annimmt, aber schätzungsweise verbringe ich am Tag ca. 20 – 40 Minuten damit Hafermilch zu machen, Brot zu backen, Aufstrich herzustellen, Schokolade zu gießen usw. Aber für mich ist das ein akzeptabler Kompromiss, einfach weil ich Spaß daran habe und es gerne tue. Ich fühle mich besser, wenn ich weiß was in meinem Brot ist oder meiner Bodycreme. Ich spüre auch positive Auswirkungen an meinem Körper. Nehmen wir z.B. mal meine DIY-Zahncreme. Noch nie waren meine Zähne so weiß und mein Zahnfleisch so gesund. Ich tue also nicht nur etwas für die Umwelt und mein seelisches Wohlbefinden, sondern auch für meinen Körper. Also wenn das nicht nachhaltig ist, weiß ich auch nicht.

Im Übrigen sehe ich mich nicht als Weltverbesserer oder Missionar. Ich schreibe hier nur was mich bewegt, was mich beschäftigt, wie ich mit Dingen umgehe und was für Erfahrungen ich dabei mache. All das mit dem Wissen im Hintergrund, dass sich bei mir in ca. 3 Jahren etwas tut. Ich sehe mich nicht in Konkurrenz zum Rest der Welt. Ich will nicht besser sein als mein Nachbar, meine Arbeitskollegin oder du oder du oder du. Das ist mein Weg, es muss nicht deiner sein, aber wenn du magst kannst du mir gern über deinen Weg berichten. Das wäre spannend!

 

Titelbild stammt von geralt.
Bild mit der Flaschenvase ist von StockSnap.
Geld gab es von nattanan23.

Das Autobild stammt von Pavlofox.

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