Mein Blog,  Outdoor

Wildcampen

Wildcampen – Das ist doch verboten!

Bei vielen Menschen löst der Begriff „Wildcampen“ sofort negative Gefühle aus. In Facebook-Gruppen habe ich oft erlebt, wie Menschen förmlich mit Worten gesteinigt wurden, die Fragen zum wilden Campen stellten.

Das kann man schon verstehen, denn wenn man darüber nachdenkt, hat man sofort Bilder im Kopf von einem verwüsteten Flecken Land, übersäht mit leeren Flaschen, Essensresten, Alu- oder Plastikmüll und noch anderen unangenehmen Dingen. Leider wissen einige Camper die Natur nicht zu schätzen.

Und davon ganz abgesehen ist wildes Campen in vielen Ländern tatsächlich verboten oder nur bedingt erlaubt/ geduldet. Am Ende des Beitrags gibt es eine Tabelle hierzu.


Abenteuermodus

Der Camper selbst hat ganz andere Bilder im Kopf: Abenteuer, Freiheit, kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, der Reiz des Verbotenen. Es ist natürlich etwas anderes, ob man auf einem überfüllten Campingplatz übernachtet oder sein Zelt in einer Waldlichtung aufschlägt.

Campingplätze ist eben auch nicht mehr das, was sie mal waren! Die Preise sind mittlerweile mit denen von Pensionen oder Hotels vergleichbar und sie bieten ähnlichen „Luxus“ wie z.B. gepflegte sanitäre Anlagen, Freizeit-Animationen, Restaurants, Einkaufmöglichkeiten, Pools oder Fernseh- und Internetempfang.

Wildes Campen ist nicht für jeden Reisenden sinnvoll, das steht auf jeden Fall fest. Wenn man z.B. seinen Urlaub stationär an einem Ort verbringt, sollte man vom wilden Campen die Finger lassen und sich entweder auf einem Campingplatz einmieten oder gleich ein Zimmer nehmen.


Seifenblasenromantik

Gerade in Europa ist es sehr schwer eine unberührte Landschaft zu finden. Oft handelt es sich um Privatgrundstücke oder Agrarland. Die nächste Straße oder der nächste Ort sind meist nicht weit. Aber selbst in Ländern wie Neuseeland, wo man wirklich endlose Weiten hat, wird es mit dem Campen schwierig. Es gibt kaum einen Flecken Land, der nicht eingezäunt ist. Spätestens dann platzt die Seifenblase vom romantischen Wild-Campen.

In Urlaubsländern wie Italien, Kroatien oder Spanien laden Strände zum Campen ein, aber auch hiervon sollte man die Finger lassen, denn nicht selten finden an Stränden Partys statt oder es kommen zu später Stunde Betrunkene. Die Polizei hat natürlich auch ein Auge auf Strände. Das könnte dann unangenehm werden.


Campen als Lebenseinstellung

Aber natürlich sind Menschen wie ich auf  Wildcampen angewiesen. Wenn man sich dazu entscheidet mit sehr minimalen Mitteln auf Reise zugehen und am Tag ein Budget von maximal 10 Euro hat, dann überlegt man sich schon an welcher Stelle man Geld sparen kann. Natürlich werde ich nicht jede Nacht in der Natur verbringen, aber 6 von 7 Nächten die Woche sicherlich.

Wildcampen heißt aber auch Verantwortung dafür zu übernehmen, dass man die Natur nicht schädigt oder belastet. Man sollte sich an einige Regeln halten!


Die goldenen Regeln:

1. Zeltplatz

Schau dir den Platz, an dem du übernachten möchtest, genau an. Liegt hier Müll oder Scherben herum? Wenn ja könnte das ein Anzeichen dafür sein, dass der Platz nicht so einsam und verlassen ist, wie du annimmst. Dann solltest du lieber weiter ziehen.

Bist du weit genug von der Straße, dem nächsten Strand oder Stadt entfernt?

Wasser in der Nähe ist für die Körperpflege usw. gut, aber du solltest in dessen unmittelbarer Nähe nicht dein Zelt aufschlagen, weil es nachts hier kühler und feuchter wird. Gerade  bei stehenden Gewässern solltest du wissen, dass du abends bzw. nachts von lästigen Mücken Besuch bekommst. Je nachdem in welchem Land du bist, kann so ein kleiner Bach auch schnell mal zu einem reißenden Fluss werden. Also, lieber in einem angemessen Abstand zu Gewässern campen.

Nationalparks und Naturschutzgebiete solltest du immer meiden, denn dort hast du nichts zu suchen. Du störst die Tierwelt und die Natur! Achte auf Schilder, die das campen ausdrücklich verbieten.

Campen auf Privatgrundstücken nur dann, wenn du die Erlaubnis des Besitzers hast.

2. Nie länger als eine Nacht!

Bleibe niemals länger als eine Nacht. Eine Nacht wird meistens toleriert, auch von den Eigentümern des Landes. Wenn man an einem Platz allerdings sesshaft wird, dann ist das schnell ein Problem. Die Wahrscheinlichkeit entdeckt zu werden steigt auch.

3. Feuerstelle

Klar ist es superschön, wenn man abends am Feuer sitzt und den Tag entspannt ausklingen lässt. Aber Feuer ist gefährlich, weil man z.B. leichter entdeckt wird. Der Rauch ist weit sichtbar! Und natürlich – gerade in südlichen Ländern – kann ein kleines Feuer schnell zum Horrorszenario werden, wenn die Funken fliegen.

Und wenn du ein Feuer machst, dann nutze sogenannte Holzkocher (siehe auch mein Beitrag „Outdoorküche„). Diese Feuer sind klein und fallen nicht so sehr auf. Aber auch hier: Bei starker Trockenheit lasse die Finger vom Feuer!

4. Verhalte dich verantwortungsbewusst

Hinterlasse deinen Platz immer so, wie du ihn vorgefunden hast! Ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen wie lange bestimmte Materialien zum Verrotten benötigen. Wir haben schon genug Müll in der Welt, da musst du als Wildcamper nicht noch dazu beitragen! Nehme deinen Müll mit. Benutze in der Wildnis keine Zahncreme, kein normales Duschgel oder sonstige Kosmetika, die die Umwelt belastet. Ich werde hierzu aber noch einen gesonderten Artikel über die Hygiene beim Wildcampen schreiben! Denke auch daran Essensreste vom Abend zu vergraben, damit du nachts nicht ungebetenen Besuch bekommst.

5. Du bist nicht allein…

Also verhalte dich in der Natur ruhig und unauffällig. Du willst in der Natur campen, weil es dir gefällt. Du bist dort Gast! Also gehe auch respektvoll und nachsichtig mit der Tier- und Pflanzenwelt um. Wilde laute Partys sind absolut unangebracht und locken nur die Polizei an.

6. Respektvoll!

Egal wem du wie und wo begegnest, behandle alles und jeden respektvoll, ob das Menschen, die Natur oder Tiere sind. Achte das, was dir in der Welt (umsonst) gegeben wird. Durch Respekt und Achtsamkeit wird deine Reise um vieles wertvoller.

Solltest du tatsächlich von der Polizei oder anderen Menschen entdeckt werden und wirst aufgefordert zu gehen, dann gehe. Rede mit den Menschen, höre ihnen zu, rede in ihrer Sprache. Fange nicht an zu diskutieren oder zu schimpfen. Wenn sie darauf bestehen, dass du gehst, wirst du einen anderen schönen Platz für dich finden.


Wo darf man Wildcampen?

Hier nun mal eine kleine Übersicht wo man Wildcampen darf. Eines trifft auf alle Länder zu: Man sollte nicht in Küstennähe und touristischen Gegenden sein Zelt aufschlagen! Diese Tabelle kann nur einen ersten Überblick schaffen. Für nähere Informationen sollte man sich auf jeden Fall genauer informieren.

Deutschland Auf öffentlichem Gebiet darf nur an speziell gekennzeichneten Orten gezeltet werden. Ansonsten ist das übernachten im Zelt verboten. Auf Privatgelände darf nur mit Einverständnis des Besitzers gecampt werden.
Schweiz Hier gibt es sehr unterschiedliche Regelungen, die davon abhängen, in was für einem Gebiet man gerade unterwegs ist. Denn wenn man sich beim wilden Zelten oder sogar beim Feuermachen in einem Naturschutzgebiet, Wildschutzgebiet oder einem Nationalpark erwischen lässt, kann das Strafen von 10.000 Euro oder sogar mehr kosten. Oberhalb der Baumgrenze ist Wildcampen erlaubt (aber hier auch auf Schilder achten).
Österreich Hier ist das Wildcamping verboten und es werden hohe Strafen verhängt. Eventuell ist es oberhalb der Baumgrenze erlaubt, hier sollte man sich je nach Bundesland erkundigen.
Niederlande, Belgien Wildcamping ist generell verboten. Es gibt jedoch „Pfahlcamping“-Plätze. Das sind einfache Schilder in deren Umkreis von 10 Metern man campen darf.
Italien Das Wildcampen ist hier verboten. Es bleibt die Möglichkeit auf Privatbesitz mit Erlaubnis des Besitzers zu campen.
Spanien Das Wildcampen ist hier verboten und wird auch unter eine hohe Strafe gestellt (bis zu 5.000 €). Es bleibt die Möglichkeit auf Privatbesitz mit Erlaubnis des Besitzers zu campen.
Portugal Auch hier ist das Wildcampen verboten, jedoch wird es eher toleriert, wenn man sich ruhig verhält.
Frankreich Wildcamping ist hier nur auf Privatgrundstücken mit Erlaubnis der Besitzer erlaubt. Ausnahme ist die Küste, hier ist es generell verboten.
Dänemark Hier gibt es ausgewiesene Wälder, in denen Wildcamping für eine Nacht erlaubt ist, offenes Feuer jedoch nicht. Ansonsten ist es verboten.
Schweden, Finnland, Norwegen Camping für eine Nacht ist hier überhaupt kein Problem und erlaubt, auch auf Privatgrundstücken ohne Erlaubnis des Besitzers (außerhalb der Sichtweite des Hauses).
Estland, Lettland, Litauen Hier darf außerhalb geschlossener Ortschaften auf Privatgrundstücken und auf Parkplätzen und Straßen eine Nacht übernachtet werden. In der Regel wird das Zelten außerhalb von Naturschutzgebieten und Nationalparks toleriert.
Schottland Wildcampen ist hier generell erlaubt, wenn man sich an den Scottish Outdoor Access Code hält.
Griechenland, Bulgarien, Rumänien Generell ist das Wildcampen hier verboten, auch auf Privatgrundstücken.
Polen Generell ist Wildcamping verboten, doch scheinbar sieht man es dort nicht so eng. Aber Vorsicht sollte man trotzdem walten lassen und sich unauffällig verhalten.
Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Albanien Offiziell ist das Wildcampen in Serbien und Kroatien  verboten. Wenn man sich unauffällig verhält, sollte es allerdings kein Problem darstellen. Man sollte sich nur von den Stränden/ Touristengebieten fernhalten, hier ist die Polizei etwas strenger und es können Strafen verhängt werden.  Halte dich von größeren Städten fern.

 

Titelbild stammt von j4sonp. Das Copyright liegt bei dem Fotografen.

2 Comments

  • GB

    Schöner Artikel, ich frage mich warum es so strikt auf dem Papier gehandhabt wird. Steckt da mehr dahinter? Will man dadurch mehr Kontrolle ausüben über die Bevölkerung und damit die Option im Wohnmobil/ Zelt dauerhaft zu wohnen im Keim ersticken?
    Oder haben Zeltplatzbetreiber eine starke Lobby?
    Wenn ich sehe wieviel Miete für eine Wohnung gezahlt wird und man am Ende nichts mehr davon bei Auszug hat, ist das Leben (i.S.d. Minimalismus) in einem Wohnmobil möglich und bei Beendigung des Vorhabens, kann ich meine Wohnung wenigstens verkaufen und vorher wenn mir die Nachbarn nicht passen wenigstens schnell umziehen 😉

    • Evelyn

      Für mich wäre das auch die optimale Weise zu leben, entweder Camper oder tiny house. Und eine gute Frage. Man fällt aus der Norm heraus und das gefällt dem Staat nicht. Ohne festen Wohnsitz wird es schwer Menschen zu kontrollieren. In einigen Ländern wird es ja nicht so streng gehandhabt wie z.B. Portugal, dann muss man eben dorthin gehen. Zunächst werde ich mir definitiv ein Dachzelt zulegen, darauf freue ich mich schon!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.